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Überblick über das Geschäftsjahr

Trotz wiederkehrender Pandemiewellen und den damit verbundenen Herausforderungen für Gesellschaft und Finanzmärkte konnte SIX 2021 ein weiteres erfolgreiches Jahr verbuchen. Der Betriebsertrag belief sich auf CHF 1,5 Mrd. (+8,9%) und das EBITDA auf CHF 421,7 Mio. (+14,8%). Das nicht operative Ergebnis sank gegenüber dem Vorjahr aufgrund erheblicher Einmaleffekte 2020 und 2021. Entsprechend ging auch das EBIT zurück (–71,4%). Es resultierte ein Konzern­gewinn von CHF 73,5 Mio.

Aufgrund wiederkehrender Wellen der COVID-19-Pandemie war 2021 in vielerlei Hinsicht eine Fortschreibung des vorangegangenen Geschäftsjahres. Erstmals trug das Mitte 2020 von SIX akquirierte spanische Ge­schäft (BME) über volle zwölf Monate zur Erfolgsrechnung der Gruppe bei. Der Betriebs­ertrag belief sich auf CHF 1498,3 Mio. Das Plus von 8,9% gegenüber dem Vorjahr ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Beitrag von BME im Vergleichsjahr 2020 erst ab Juni in die Erfolgsrechnung miteingeflossen war.

Alle vier Geschäftsbereiche haben sich 2021 gut entwickelt, auch wenn sie durch diverse externe Faktoren – nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Pandemie – auf unterschiedliche Weise beeinflusst waren. Nachdem sich die Weltwirtschaft im Laufe des Jahres zunächst erholt und die globale Nach­frage angezogen hatte, nahm die Unsicherheit Ende 2021 wieder zu: Eine erneute Pandemiewelle führte zu Unterbrechungen der Lieferketten und steigender Inflation. Die Konsumenten­preise erreichten in den Industrieländern ein Zehnjahreshoch. Die Zentralbanken, darauf bedacht, die Konjunktur nicht zu drosseln, beliessen die Zinsen dennoch auf einem weiterhin tiefen Niveau. Im historischen Vergleich blieb die Markt­volatilität hoch, erreichte jedoch nicht die Rekordwerte von 2020.

Organisches Wachstum und der Zusammenschluss von SIX und BME tragen zum Betriebsertrag bei

Auch wenn der Aktienhandel an den Börsen nicht die beispiellosen Volumen des Vorjahres erreichte, war das wirt­schaftliche Umfeld für die Geschäftsein­heiten Exchanges und Securities Services 2021 nach wie vor günstig. Seit dem 1. Januar 2021 umfassen diese beiden Einheiten das kombinierte Geschäft von SIX in der Schweiz und BME in Spanien.

Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten beide Börsen von SIX eine steigende Anzahl IPOs – darunter den ersten Börsengang einer Special Purpose Acquisition Company (SPAC) in der Schweiz. Die Aktivität am Markt und die hohen Indexstände wirkten sich auch auf Settlement-Transaktionen und Depotvolumen positiv aus. Der SMI erreichte ein neues Allzeithoch und schloss das Jahr gegenüber 2020 20,3% im Plus. Der IBEX-35 in Spanien legte um 7,9% zu.

Die Volatilitätsspitzen des Vor­jahres wurden 2021 nicht erreicht. Dadurch stabilisierte sich die Handelsaktivität an den Börsen, im Vergleich zum Vorjahr ging der Handelsumsatz zurück. Nach der gegenseitigen Anerkennung der Börsen­äquivalenz zwischen der Schweiz und Grossbritannien wurde zudem der Handel in Schweizer Aktien an Handelsplatt­- formen ausserhalb der Schweiz wieder aufgenommen. Der Marktanteil von SIX im Handel mit Schweizer Aktien fiel dementsprechend von 100% im Jahr 2020 auf durchschnittlich 70,2% im vierten Quartal 2021.

In der Geschäftseinheit Financial Information konnte SIX im Berichtsjahr ihren Umsatz steigern. Damit ist der angestrebte Turnaround im Datengeschäft eingeleitet. Wie in den Vorjahren trug das Kerngeschäft mit Referenz-, Kurs- und Corporate-Actions-Daten am stärksten zum Betriebsertrag der Geschäfts­einheit bei und wuchs auch 2021. Der Erlös aus Steuer- und regulatorischen Dienstleistungen nahm ebenfalls erneut zu. Im Februar 2021 erweiterte SIX mit der Übernahme einer Mehr­heits­beteili­gung an Orenda Software Solutions ihr Angebot an ESG-Daten und ESG-Perfor­mance-Daten aus alternativen Quellen. Im Juli schloss SIX zudem die Akquisition des internationalen Index- und ETF-Daten­spezialisten Ultumus ab und erweiterte damit ihr Datenangebot im schnell wachsenden ETF-Markt.

In der Geschäftseinheit Banking Services wirkte sich die rückläufige Bargeld­nutzung, die mit dem Ausbruch der Corona-Krise 2020 begonnen hatte, weiter negativ auf die Erlöse aus. Die pandemiebedingt tiefen Debitkarten-Trans­aktionen zu Jahresbeginn erholten sich jedoch im Laufe des Jahres und konnten den negativen Corona-Effekt aus Bargeldtransaktionen wettmachen. Auch der Bereich digitale Rechnungen legte weiter zu. Inzwischen nutzt gut die Hälfte aller Schweizer Haushalte eBill. Die Plattform verzeichnete damit im Jahr 2021 einen neuen Höchststand von über 50 Millionen Transaktionen. Insgesamt erzielte die Geschäftseinheit Banking Services damit einen höheren Betriebsertrag als im Jahr 2020, das von der Pandemie noch stärker betroffen gewesen war.

Betriebsertrag: Beitrag der Geschäftseinheiten*

*exkl. Corporate Functions

Exchanges

Banking Services

Financial Information

Securities Services

Gewinnbeitrag der Geschäftseinheiten*

*exkl. Corporate Functions

Exchanges

Banking Services

Financial Information

Securities Services

Wachstum und Kostensenkungen sollen die EBITDA-Marge weiter verbessern

SIX verfolgt eine Wachstumsstra­tegie und strebt nach steigenden Volumen auf ihrer Infrastruktur und einer höheren  internationalen Reichweite. Inves­titi­onen in ausgewählte organische und anorganische Wachstumsop­portunitäten standen daher auch 2021 im Fokus. Zu den Wachstumsopportunitäten zählen beispielsweise die SIX Digital Exchange (SDX), die fortschreitende Internationalisierung der Nachhandelsdienstleis­tungen oder der Ausbau des Datengeschäfts. Im Berichtsjahr verkündete SIX zudem drei Akqui­sitionen, davon zwei im Daten­geschäft (siehe oben) und eine im Post-Trading: Hier einigte sich SIX auf die Übernahme des vom Joint-Venture-Partner Clearstream gehaltenen 50%-Anteils an Regis-TR.

Wachstum geht bei SIX Hand in Hand mit striktem Kosten­management. Im Berichtsjahr stiegen die Betriebskosten im Vergleich zu 2020 aufgrund des vollen Kostenbeitrags der BME-Einheiten (im Vergleich zu lediglich sieben Monaten im Vorjahr) um 6,7%. Um ihre Margenziele zu erreichen, setzt SIX ihr laufendes Con­tinuous Improvement Program (CIP) weiterhin konsequent um und wird im Zuge der BME-Integration weitere Synergieeffekte realisieren. So stieg 2021 das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 14,8% auf CHF 421,7 Mio. Dies ergibt eine EBITDA-Marge von 28%. Durch konti­nuierliches Wachstum und Effizienz­steigerungen wird die EBITDA-Marge künftig noch weiter verbessert werden.

Nicht operatives Ergebnis wird durch Einmaleffekte erheblich belastet

Trotz des verbesserten operativen Ergebnisses gingen das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) und der Konzerngewinn im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Dies ist auf zwei gegenläufige Effekte aus der Beteili­gung von SIX an Worldline in den Jahren 2020 und 2021 zurückzuführen.

Im Jahr 2020 hatte der Verkauf eines Teils der von SIX gehaltenen Worldline-Aktien sowie die Fusion von Worldline mit dem Zahlungs­dienst­leister Ingenico einen äusserst positiven Effekt auf das Finanzergebnis 2020 und erhöhte EBIT und Konzern­gewinn. Im Jahr 2021 wirkte sich eine Wertminderung infolge des angekündigten Verkaufs des TSS-Geschäfts von Worldline (Terminals, Solutions & Services) negativ auf den Anteil am Ergebnis von assoziierten Unterneh­men aus (CHF –102,1 Mio.). Aufgrund des sehr positiven Vorjahresergebnisses wichen EBIT und Konzerngewinn dadurch im Jahresvergleich stark ab: Das EBIT belief sich auf CHF 147,2 Mio. (–71,4%). Der Konzern­gewinn betrug CHF 73,5 Mio. (–83,2%). Ohne die Effekte aus der Beteiligung an Worldline stieg der Konzerngewinn gegenüber Vorjahr um 37,3%.

Für das Jahr 2021 schlägt der Verwaltungsrat der Generalversamm­lung eine ordentliche Divi­dende von CHF 4,75 pro Aktie vor.

Mit dem Eintritt in den Kapitalmarkt stärkt SIX ihre Finanzierungsfähigkeit

Investoren bewerten das Geschäfts­modell, die Innovations­kraft und das Wachstumspotenzial von SIX sehr positiv. Das zeigte sich auch im Berichtsjahr. Nachdem SIX im Dezember 2020 erfolgreich ihren ersten Eurobond platziert und an der spanischen Börse kotiert hatte, folgte im dritten Quartal 2021 die Platzierung einer CHF-Anleihe über CHF 450 Mio. am Schweizer Anleihenmarkt. Bei einer breit gestreuten Anlegerbasis in der Schweiz stiess dies auf reges Interesse. SIX nutzte den Nettoerlös der beiden platzierten Anleihen unter anderem für die Refinanzierung der noch ausste­henden Überbrückungsfinanzierung der BME-Akquisition.

Im vierten Quartal 2021 emittierte SIX die weltweit erste tokenisierte Anleihe in einem vollständig regulierten Umfeld. Die innovative Anleihe besteht aus zwei austauschbaren Teilen: Der digitale Teil mit einem Emissionsvolumen von CHF 100 Mio. ist an SDX kotiert und gehandelt und wird dort auch zentral verwahrt. Der traditionelle Teil mit einem Emissionsvolumen von CHF 50 Mio. ist an SIX Swiss Exchange kotiert und gehandelt und wird bei der Depotstelle SIX SIS zentral verwahrt. Die beschriebene Transaktion war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: SIX schlug damit eine Brücke zwischen der digitalen und der traditionellen Welt und bewies, dass die zukunftsweisende Distributed Ledger Technologie (DLT) ihrer digitalen Börse SDX auch im hochregulierten Kapitalmarkt sehr gut funktioniert. Zudem stellte SIX damit ihre Innovationskraft und ihre tragende Rolle in der Transformation des Schwei­zer Finanzplatzes unter Beweis. Der Netto­erlös der digitalen Anleihe wird für strategische Finanzierungszwecke verwendet.

Ausblick

Für die kommenden Jahre strebt SIX weiteres Wachstum sowie eine nach­haltige und deutliche Steigerung ihrer Profitabilität (EBITDA) an. Dies soll über Umsatzwachstum und Kosten­senkungen erreicht werden.

Umsatzsteigerungen werden sich aus Synergieeffekten aufgrund der BME-­Akquisition sowie aus der Marktposition von SIX im Finanzinformationsgeschäft ergeben; hier will SIX insbesondere auch das Potenzial aus den 2021 getätigten Akquisitionen ausschöpfen. Darüber hinaus wird SIX weiterhin innovative Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen, sowie ihr bestehendes Angebot in angrenzende Märkte auswei­ten. Angesichts der hohen Fixkosten, die mit einigen Kerngeschäfts­aktivitäten von SIX verbunden sind, führt Umsatz­wachstum zu mehr Profitabilität.

Ferner wird SIX auch ihre Kostenbasis weiter optimieren. Erhebliche Kosten­synergien ergeben sich aus der laufenden Integration von BME. Daneben werden auch Kostensenkungsmassnahmen ergriffen, etwa die Reduzierung der Lieferanten­kosten, eine kritische Priorisierung des Projektportfolios, eine bessere Nutz­ung der internationalen Standorte sowie eine schrittweise Reduzierung der Belegschaft über natürliche Fluktuation und gezielten Stellenabbau.

Dies erlaubt es SIX, Investitionen in die Transformation ihres Geschäfts zu kompensieren. Gleichzeitig stärkt es die Refinanzierungsfähigkeit des Unter­nehmens. Beides wird die internationale Wettbewerbsposition von SIX als Finanz­marktinfrastruktur weiter er­höhen. ■